Bemerkungen ueber Sozialismus / Kommunismus / Nationalsozialismus

Auf dieser Seite schreiben wir in Bezug zu unseren 'Sozialistica' - Sammlungen.

 

"Wende 1989/1990"

"Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf", spätestens mit diesem Ausspruch Erich Honeckers am 14. August 1989 (Mauerfall 9. November 1989 !) offenbarte sich der fortschreitende Realitätsverlust des mächtigsten Mannes der "DDR". Und diese Wortwahl zeigt auch die Arroganz und Ignoranz den Menschen gegenueber, waren denn die Demonstanten "Ochs und Esel"?

Eine aehnlich gelagerte, die Menschen verachtende Wortwahl zeigte sich schon im Sommer 1952 in der "SBZ" (Sowjetisch Besetzte Zone), als in Thueringen seitens der damaligen Machthaber die "Aktion Ungeziefer" gestartet wurde. In jenem Thueringen also, welches nach Kriegsende 1945 urspruenglich Amerikanisch besetzte Zone war und am 1. Juli 1945 im Tausch zu Westberlin der SBZ angegliedert wurde.

Unter "Aktion Ungeziefer" verstanden die strammen SED-Politler die Umsiedlung der Menschen, welche in Thueringen unmittelbar oestlich der "Demarkationslinie" wohnten. Diese "Vertreibung" und der "Diebstahl des individuellen Eigentums" dieser "grenznahen" Menschen (sprich "Ungeziefer") ins Landesinnere der "SBZ" wurde so herabwuerdigend bezeichnet, selbstverstaendlich geschah dies unter Zwang und Enteignung.

Es sei doch noch erwaehnt, dass dies die vierte "Wende" seit 1871 in Deutschland war (1871, 1918, 1945, 1989).

 

Freie Liebe und "Weibergemeinschaft" im Sozialismus 

Wir haben mehrere Titel zum Thema Freie Liebe. Herausragend ist in diesem Kontext ein Titel aus dem Jahre 1895, welcher das Protokoll einer Gerichtsverhandlung in Wien zum Thema Freie Liebe der Sozialisten enthaelt.

Lenin (sein Name war Vladimir Ilyich Ulyanov) versuchte sich ja auch in dieser Richtung aus solcherlei empfundenen Bourgois - Zwaengen zu befreien - vermittels seiner "ménage à trois" mit seiner Ehefrau Nadja Krupskaya und Inessa Armand.

Diese kurzen Schilderungen moegen darauf hinweisen (siehe auch den Einfuehrungstext zur Sammlung "Proletarische Frauenbewegung"), dass es Sozialisten / Kommunisten stets auch um Freie Liebe versus Buergerlicher Ehe ging - einem Bestandteil im Kampf der Zerschlagung der buergerlichen "Heiligen Familie” (Engels).

Einige biographische Aspekte von Klara Zetkin und von Rosa Luxemburg wollen wir aus auch aus diesem Blickwinkel "einer anderen Gesellschaftsstruktur" bzw. "Schaffung der Weibergemeinschaft" etwas naeher beleuchten, denn ihr "Liebesleben" wich von Vorstellungen der damaligen buergerlichen Gesellschaft eher ab. Dies aeusserte sich - beispielsweise - in Erwartungen von August Bebel an Klara Zetkin (geb. Eissner) und an ihr politisches Engagement, so uebermittelte Bebel im Jahre 1911 an Klara Zetkin eine "persönliche Protestnote" mit dem Inhalt, dass sie doch ".....keine x-beliebige Privatperson, sondern eine bekannte Politikerin [sei] und [sie] solle sich doch bitte vorbildlich verhalten" (STUTTGARTER ZEITUNG, 21.03.2011).

Mit anderen Worten, August Bebel sah Klara Zetkin's Beziehung zu dem 18 Jahre juengeren Kunstmaler Friedrich Zundel eher als nicht foerderlich fuer sie bzw. das gemeinsame politisches Engagement an.

Klara Zetkin hat Friedrich Zundel ueber ihre gute Bekanntnschaft in Suttgart mit dem Unternehmer Robert Bosch kennengelernt. Jahre zuvor war Klara Eissner alias Klara Zetkin und Ossip Zetkin aus Russland ueber Zuerich nach Paris gefluechtet. Die beiden waren nie verheiratet, Ossip Zetkin verstarb im Jahre 1889 in Paris.

Im Jahre 1891 verzog Klara Zetkin mit den zwei Kindern Maxim Zetkin und Kostja Zetkin in das damals liberale Stuttgart. Im Jahre 1899 heirateten in Stuttgart Klara Zetkin und Friedrich Zundel, aus dieser Ehe gab es keine Kinder. Klara Zetkin selbst bestritt uebrigens oeffentlich, dass sie jemals den Familiennamen Zetkin-Zundel benutzt haette. In unseren Titeln findet sich jedoch das Gegenteil: als Besitzvermerke finden sich in einigen der 'physischen' Zetkinschen Privat- Bibliotheks-Titel der Name 'Zetkin-Zundel' handschiftlich eingetragen.

Friedrich Zundel begann waehrend seiner Ehe mit Klara Zetkin ein "heimliches Verhaeltnis" mit Paula Bosch, einer Tochter aus Robert Bosch's erster Ehe: "Irgendwann begannen Zundel und Robert Bosch's jüngste Tochter Paula ein Verhältnis, das der Mann lange vor seiner Ehefrau (Anmerkung: Klara Zetkin) geheim zu halten versuchte. Als die Sache aufflog, trennte sich die tiefgekränkte Clara Zetkin von ihrem Mann und willigte erst nach zehn Jahren in die Scheidung ein. Nach Bosch's Lesart, hatte der große Streik etwas mit der Rache einer gedemütigten Frau zu tun. Den nötigen Einfluss in der Arbeiterbewegung hatte Clara Zetkin auf jeden Fall.“ (aus: STUTTGARTER ZEITUNG, 26.08.2011).

Ueberhaupt war die Beziehung zwischen Robert Bosch und dem Ehepaar Zetkin-Zundel in Stuttgart interessant, u.a. malte Friedrich Zundel auch Portraets der beiden Toechter (deshaln auch von Paula Bosch) aus Robert Bosch's erster Ehe, weitere Kunstauftraege aus Italienn sollen ueber diese Beziehungsschiene in Stuttgart zustande gekommen sein.

Nach der schlussendlich vollzogenen Zetkin / Zundel-Scheidung, heirateten im Jahre 1929 Friedrich Zundel und Paula Bosch, das Ehepaar uebersiedelte nach Tuebingen. Klara Zetkin wohnte zu dieser Zeit schon in Berlin, bis sie im Herbst des Jahres 1932 auf der Flucht vor den NAZIs nach Moskau verzog - uebrigens einschliesslich "unserer" Buecher aus ihrem Besitz. In Moskau verstarb Clara Zetkin im Juni 1933, auch Stalin trug ihren Sarg mit zu Grabe.

Rosa Luxemburg's Liebhaber waren stets juenger als sie. In den Jahren 1898 - 1903 war sie in einer "Scheinehe" verheiratet, sie war in Polen geboren. Erst durch diese Heirat konnte sie die deutsche Staatsbuergerschaft erlangen, was ihr die Mitarbeit im Rahmen der "deutschen Arbeiterbewegung" ermoeglichte, ohne deutsche Staatsbuergerschaft waere es fuer sie nicht moeglich gewesen.

Rosa Luxemburg wurde so etwas wie die 'beste Freundin' von Klara Zetkin, sie hatte sogar ein fuer sie stets reserviertes Zimmer im Zetkin / Zundel - Haus in Stuttgart- Sillenbuch. Dort lernte sie natuerlich auch den ihr gegenueber 14 Jahre juengeren Sohn Kostja Zetkin kennen, der juengste Sohn von Klara Zetkin und Ossip Zetkin. Im Jahre 1907 verliebten sich Rosa Luxemburg und Kostja Zetkin ineinander, so schrieb Rosa Luxemburg an Kostja Zetkin am 14 February 1911 folgenden Text (natuerlich in deutscher Sprache, die Quelle fuer die nachfolgend zitierte Englische Uebersetzung kann bei uns erfragt werden): "Niunius, it hurts me that I have brought you trouble, forgive me. It’s all better again with me, my suffering was probably all my own imagination, and I feel again as I used to. I was really very ill, and it took all of my energy. But now I’m calm and well, and I feel alive again. So, now all is quiet around me...As I lie on the sofa, freezing, I cover myself with your blanket that looks so regal and makes me proud, calm and serene."

Die Beziehung Rosa Luxemburg / Kostja Zetkin endete im Jahre 1915, er wurde als Soldat eingezogen. Rosa Luxemburg wurde im Jahre 1919 in Berlin aus politischen Gruenden ermordet.

Zu "DDR"-Zeiten mag dieses Liebes-Verhaeltnis der damaligen, doch wohl eher spiesigen Regierung der 'DDR', eher unangenehm gewesen sein. Wie anders waere es sonst zu erklaeren, dass die SED-stramme Wortwahl die war, dass Kostja Zetkin bei Rosa Luxemburg "zur Untermiete" waehrend seines "Studiums" in Berlin wohnte. Interessanterweise finden sich noch im Jahre 2018 auf der WEBsite des neuen Deutschen Historischen Museums unter dem Suchwort 'Biographie' zu Rosa Luxemburg keinerlei Hinweise bzgl. dieser Liebschaft. Und schlussendlich sei noch erwaehnt, dass bis heute der umfangreiche Briefwechsel zwischen Kostja Zetkin und Rosa Luxemburg nicht vollstaendig veroeffentlicht ist.

Irgendwie gelang es also diesen beiden "Kaempferinnen" Klara Zetkin und Rosa Luxemburg nicht, durch ihr Privatleben eine "anderen Gesellschaftsstrukur" als der herkoemmlichen buergerlichen Gesellschaft voranzubringen - zumindest in ihnen selbst fuer sie befriedigend zu gestalten. Wuerde man zynisch sein wollen, so liesse sich entschuldigend folgern, dass beide Damen offensichtlich die Moralvorstellungen ihrer buergerlichen Herkunft doch nicht so leicht abstreifen konnten, wie dies eventuell gedacht / gar erwuenscht war - villeicht war der 'Spagat' doch zu gross.

Der Kampf der ArbeiterInnen wie auch jener der Proletarischen Frauenrechtlerinnen war von Anfang an auch eine "Stellvertreter"- Auseinandersetzung: historisch ging es de facto alsbald um die Schaffung einer anderen Gesellschaftsstrukur als der traditionellen, buergerlichen Gesellschaft, jene galt es zu ueberwinden. Im Kommunistischen Manifest von Marx / Engels (im Jahe 1848 in Paris veroeffentlicht) entgegnen die Autoren den Kritikern ihrer Beschreibungen bzgl. der sog. Weibergemeinschaft, dass es im Buergertum doch eigentlich schon immer Weibergemeinschaft gab, weil naemlich Maenner die Frauen und Maedchen verfuehr(t)en. Diese "verborgene" und verleugnete Weibergemeinschaft sei also im Buergertum / Kapitalismus innewohnend, aber eben einseitig im Abhaengigkeitsverhaeltnis Frau zu Mann, so wurde argumentiert.

Diesen Zustand galt es zu aendern, diese "buergerliche Heuchlerei" abzustellen, so Marx und Engels. Dies war / ist ein innewohnendes Ziel des Sozialismus bzw. Kommunismus, oder wie auch immer die jeweilige Bewegungen bzw. deren Splitter-Gruppierungen in ihren je nationalen Praegungen je unterschiedlicher Zeitspanne heissen sollten - also die Zerschlagung der buergerlichen "Heiligen Familie” (Engels). Dieses Ziel gelang nahezu vollumfaenglich, man braucht sich nur die aufgedunsene Fragmentierung der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts anschauen.

Ob allerdings zuerst die postulierte sog. "Geschlechter-Ungleichheit" abgeschafft werden soll und danach die artikulierte "Abhaengigkeit" der Werktaetigen (Arbeiter) vom Arbeitgeber (Kapitalisten) oder vice versa - soll hier inhaltlich nicht vertieft werden.

 

Greueltaten im Sozialismus

Totalitaer und moerderisch waren politische Sozialismus- bzw. Kommunismus - Systeme in deren “Umsetzungen” aus der Theorie in die reale Welt. Gemaess dem "Schwarzbuch des Kommunismus" (Stephane Courtois, Larousse, Paris, 2007 / in deutscher Uebersetzung, Piper, Muenchen, 2010) wurden im Verlauf der kommunistisch / sozialistischen Jahrzehnte ca. 100 Millionen Menschen verschleppt bzw. getoetet. So kann man heute - dies sei nur beispielhaft erwaehnt - an manchen Bahnhoefen der Bahnstrecke Klaipeda (Memel) - Vilnius / Litauen, auf dort nach dem Zusammenbruch der UDSSR angebrachten Gedenkschildern lesen, wieviele Menschen in einem bestimmten Jahr der j amittlerweile verflossenen kommunistischen Diktatur, von jenem Bahnhof zwangsweise per Eisenbahn in Viehwaggons "abtransportiert" wurden und in aller Regel nicht mehr lebend an ihre Heimatorte (in diesem Beispiel nach Litauen) zurueckkehrten.

Zuvor hatte die kommunistische Partei - bzw. deren Handlanger - diesen “abtransportierten” Menschen ihr rechtmaessiges Eigentum (Land, Haus, usw.) im Sinne der sozialistischen Ideologie weggenommen - also gestohlen - bevor man die so Gedemuetigten auf jenen Bahnhoefen zusammentrieb, in Viehwaggons pferchte und sie dann nach Sibirien usw. deportierte. Alexander Solschenizin hat solche Deportationen und andere Greueltaten "im Namen der kommunistischen Partei der UDSSR", in seinem bahnbrechenden Werk im Jahre 1973 - Archipel Gulag (Nobelpreis fuer Literatur) - fuer die Zeit des Stalinismus und danach, deutlich beschrieben.

Mindestens zwei Millionen Menschen waren in diesen Todeslagern umgekommen und bis heute gibt es seiten Russlands bzw. der Russischen Regierung keine - oeffentlich bekannt gemacht - inhaltliche Auseinandersetzung oder gar Aufarbeitung dieser moerderischen Jahrzehnte, welche mit der Ermordung der Familie der Romanovs im Jahr 1917 begann und sich ueber Lenin (er verstarb 1924) - und vor allem Stalin - zu einen moerderischen Blutrausch entwickelte, mit Millionen unschuldiger Opfern in Russland und den SR-Satelitenstaaten.

In der ehemaligen sowjetisch-besetzten-Zone Deutschlands (spaeter als "DDR" benannt), begleiteten die dortigen Kommunisten derartige Zwangs-Enteignungen von Land-Eigentuemern mit - zuerst - mehr als 100 Hektar Land-Eigentum, zynisch mit dem Spruch "Von Junkerhand in Bauernhand". Im Laufe der Zeit wurde dann diese "100 Hektar"-Schwelle immer weiter herabgesetzt. Dieses "Daumenschrauben-Drehen" wandten ja die National-"Sozialisten"-Deutschland bereits in den Jahren 1933 - 1945 an, um so ihre Enteignungen der juedischen Mitbuerger sukzessive voranzutreiben.

Aber dennoch - und dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Russsichen Regierung - haben Deutsche Nachkriegs-Regierungen die NS-Zeit - wenn auch zoegerlich und zeitlich verspaetet - begonnen aufzuarbeiten und sich bei Opfern entschuldigt.

Die solialistische / kommunistische Ideolgie-Verblendung schuf neben dem National-"Sozialismus" Deutschland sicherlich die moerderischsten Greueltaten der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Jean Paul Sartre, Judith Butler oder Noan Chomsky bzw. andere Linke in Frankreich und USA (aber nicht nur diese AutorInnen in diesen zwei Laendern) taten / tun sich schwer, diese Greuel und Morde im Nahmen des Sozialismus / Kommunismus anzuerkennen bzw. taten es niemals. Es wird argumentiert, dass die "Umsetzung der Theorie" eben "nicht gut gelang" und dass die "Marxsche Theorie im Prinzip gut sei" - also lag es "nur" an der "Umsetzung" bzw. "Durchfuehrung" jenes Marxschen Theoriengebildes, so jedenfalls lautet eine Begruendung. Was ja schlussendlich bedeutet, dass es an den die Marxsche Theorie in die Realitaet "umsetzenden" Menschen lag!

Und schlimmer noch, es wird mit den millionenhaften NAZI-Verbrechen bzw. dem Holocoast verglichen, um dadurch die eigene Schande versuchen zu relativieren. Aber wie koennen millionenhafte Morde im Namen des Sozialimus / Kommunismus durch millionenhafte Mord-Greuel der nationalsozialistchen Schergen relativiert werden?

Nur der Vollstaendigkeit halber sei in diesem Kontext der sog. “Historikerstreit” erwaehnt (Nolte, Habermas, 1986 , 1987), inhaltlich wollen wir an dieser Stelle hierauf nicht eingehen.

 

© 2018 - 2020 BELSER WISSENSCHAFTLICHER DIENST Ltd.

All rights reserved