BIBLIOTHEK STEIN (1), Geschichte des deutschen Sozialimus & Wirtschaftspolitik des 19. & frühen 20. Jhrdts.:

302 Mikrofiche-Titel mit 42.000 Seiten

Die BIBLIOTHEK STEIN ist zweifellos in Deutschland die größte private Sammlung zur Geschichte des Sozialismus, nämlich zur Theorie des Sozialismus und zur Geschichte der sozialen / politischen / organsisatorischen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und Arbeiterkulturbewegng (siehe WEBpage "Bibliothek Stein (2)").

Max Stein (1871-1952), war ein bekannter und geachteter Unternehmer in Oberschlesien, waehrend seines Lebens trug er die Titel zusammen, welche dann nach seinem Tod im Jahre 1952 als BIBLIOTHEK STEIN bekannt wurde.

Max Stein war im Wirtschaftsleben außerordentlich erfolgreich und brachte es bis zum Vorstandsmitglied eines führenden Wirtschaftsunternehmens in Oberschlesien. In Deutschland der NS-Zeit waren jedoch Denunziationen der Humus fuer das Agieren der NAZI- Schergen, so auch im Falle von Max Stein. Ploetzlich hiess es damals, Max Stein sei "ein Jude", was in der Fuehrung eines Wirtschaftsunternehmes waehrend der NS-Zeit nicht zu tolerieren war.

Dennoch überlebte Max Stein trotz zweier KZ-Aufenthalte die NS-Zeit und war nach dem Kriege in Berlin einer der Neubegründer der Steglitzer Sozialdemokratie und Initiator eines nach ihm benannten politischen Arbeitskreises in West-Berlin. Max Stein hat sich in dieser Zeit öffentlich in verschiedenen sozialdemokratischen und linken Presseorganen zu Wort gemeldet, eine Zusammenstellung dieser Beiträge existiert jedoch nicht.

Max Stein stand mit zahlreichen Persönlichkeiten der Kaiserzeit und der Weimarer Zeit in Kontakt und er beschränkte sich in vielen Fällen nicht nur auf das Sammeln und den Austausch von Literatur. Zu nennen sind Namen wie Gustav Mayer, Käthe Duncker und Hermann Duncker. Oder auch Alexander Helphand, dessen Biographie von Winfried Scharlau (1964) in reichem Maße sich aus den Beständen der BIBLIOTHEK STEIN rekrutierte. Freundschaftliche Beziehungen verbanden Max Stein schon seit seiner Jugendzeit mit Konrad Haenisch und Paul Lobe. Ein anderer Name, der in unserer Sammlung auftaucht ist Ernst Drahn, Bibliograph der Arbeiterbewegung und Parteiarchivar der SPD. Diese Beziehung von Ernst Drahn zu Max Stein scheint aber auch ihre unerfreulichen Seiten gehabt zu haben und man nimmt es heutzutage mit Erleichterung zur Kenntnis, denn Drahn war sofort nach Hitler's "Machtergreifung" im Jahre 1933 dazu übergegangen, "Verbotslisten" für die NAZI-Reichsschrifttumkammer zusammenzustellen.Heute wuerde man solch einen chamaeleonhaften Menschen mit der Wortwahl "Wendehals" beschreiben.

Max Stein schrieb, “Den größten und bedeutendsten Teil [meiner Bibliothek] bilden die Werke über die soziale Frage, die Arbeiterbewegung, Sozialismus, Anarchismus, Komminismus, Leninismus, Stalinismus. Ich habe während 50 Jahren diese einschlägige Literatur gesammelt."

Renata Stein - die Tochter von Max Stein – schrieb ueber ihren Vater und seine Bibliothek: “Mein Vater sprach mit uns nie über seine Sammlungen resp. die Hauptschwerpunkte seiner Sammlertätigkeit. [...] Während des sogenannten Dritten Reiches blieben Vater, Mutter, Bruder Hellmut und ich in unserem Haus wohnen. Die Ehe meiner Eltern war eine sogenannte "privilegierte Mischehe", d.h. Ehe eines jüdischen mit einem "arischen" Partner, der christlich erzogene Kinder entsprossen sind. ...Am 11. November 1938, also unmittelbar nach der "Reichskristallnacht", wurde mein Vater abgeholt und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Von dort kam er nach mehreren Eingaben meiner Mutter und von dritter Seite wegen seines vorgerückten Alters und seiner angegriffenen Gesundheit [...] am 29. November zurück, geschoren und beträchtlich leichter, aber unverändert ruhig und gelassen. ...Im Jahre 1941 wurde mein Vater ein zweites Mal verschleppt, dieses Mal jedoch nur für wenige Tage. [...] Wenn die Sammlungen meines Vaters mit ihrem "staatsgefährdeten" Schrifttum die NS-Zeiten überdauerten, so hat dabei sicherlich ihre verhältnismäßig späte Aufspürung durch die berüchtigten Kontroll-Behörden eine entscheidende Rolle gespielt. Erst im April 1942 mußte mein Vater der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in einem verhältnismäßig umfangreichen Schriftstück über die Herkunft und Zusammensetzung seines Sammelgutes berichten. [...] Der Abtransport der Sammlungen im Jahre 1944 wurde wohl nur durch das Fehlen von Transportmitteln verhindert."(entnommen dem Katalgband BIBLIOTHEK STEIN, erschienen bei Belser Wissenschaftlicher Dienst).

Am 5. Mai 1945 (gerade mal vier Tage vor der Kapitulation NAZI-Deutschlands am 8. Mai 1945) wurde die 'physische' BIBLIOTHEK STEIN von Soldaten der "Roten Armee" nicht beschlagnahmt oder gar zerstoert: der russische Kommandant heftete an die Kellertuer des Steinschen Hauses in Berlin eine handschriftliche Notiz, diese im Keller des Hauses lagernde Buechersammlung doch unversehrt zu belassen und nicht abzutransportieren!

Aus heutiger Sicht ist es daher besonders bemerkenswert, daß diese einmalige "Sozialismus"-Bibliothek die Wirren des Nationalsozialismus - der sich ja als Negation des "marxistischen Bolschewismus" verstand - komplett unversehrt überstehen konnte, zumal die BIBLIOTHEK STEIN sich im Besitz eines "deutschen Juden" (zeitgenoessischer NAZI-Jargon) befand.

Im Mai 2018 “feierte” man den 200. Geburtstag von Karl Marx, was aus dessen Theorie geschichtlich wurde, wissen wir. In diesem Zusammenhang weisen wir auf das "Schwarzbuch des Kommunismus" von Stephane Courtois hin, dazu haben wir einige Bemerkungen auf unserer WEB-Seite "Sozialgeschichte" geschrieben. Die “Umsetzung” des Marxschen Gedankengutes in die reale Welt in der zweiten Haelfte des 19.bis hin zum beginnenden 20. Jahrhunderts, kann in vielen Titeln unserer BIBLIOTHEK STEIN ueberprueft werden. In vielen lokalen Publikationen koennen solche "Umsetzungs" - Entwicklungen “vor Ort” nachverfolgt werden, denn ein grosser Teil des Schrifttums entfaellt auf Veroeffentlichungen regionaler und lokaler Verbaende, oertlicher Arbeiter-Sekretariate, lokaler Genossenschaften, Splittergruppen. Ferner enthaelt unsere BIBLIOTHEK STEIN die Inhalte 'physischer' Kleinbroschueren, nicht konventioneller Schriften, Editionen kleinerer Verlage usw.

Diese Materialien gehoeren zum wertvollsten Bestand der BIBLIOTHEK STEIN und waren bisher teilweise bibliographisch nicht zu ermitteln. Aus bibliophiler Sicht sind zahlreiche 'physische' Erstausgaben sozialistischer Klassiker von bedeutendem Wert.

Der Focus des wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Sammlungsbestandteils liegt auf der Entwicklung des kapitalistischen Wirtschaftssystems mit den inhaltlichen Schwerpunkten Großindustrie, Kriegswirtschaft, Konzentration, Kartelle und Sozialisierung.

Die Titel - Bandbreite unserer BIBLIOTHEK STEIN ist attraktiv für Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Historische Disziplinen, Kulturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft.

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